Tarifvertrag ig bau

Der größte Teil der Tarifpolitik der IG BAU ist zentralisiert. Viele der nationalen Tarifverträge wurden von der Bundesregierung für allgemeinverbindlich erklärt und gelten daher für alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer in bestimmten Branchen wie z.B. baulich und baureinigend. Da es in Deutschland bis vor kurzem keinen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn gab, setzte sich die IG BAU ab 1990 für die Einführung sektoraler gesetzlicher Mindestlöhne auf der Grundlage der niedrigsten Kategorien branchenweiter Tarifverträge ein und war 1996 erfolgreich. Seitdem hat die IG BAU – gemeinsam mit den sektoralen nationalen Arbeitgeberverbänden – durch Tarifverträge, die durch eine Bundesverordnung des Bundesarbeitsministeriums für allgemeinverbindlich erklärt wurden, gesetzliche branchenübergreifende Mindestlöhne für den allgemeinen Bau [1], Abriss, Maler, Gerüste, Dachdecker- und Gebäudereinigung einschließlich Hotelreinigung und Hausmeister geschaffen. Diese Mindestlöhne gelten auch für ausländische Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer vorübergehend nach Deutschland entsenden. Zwischen der gewerkschaftlichen Gewerkschaft IG BAU und den Bauunternehmern wurde eine Lohnvereinbarung zur Erhöhung der Baumindestlöhne geschlossen. Die neuen bundesweiten Löhne gelten ab dem 1. April 2020. “Mehr als 200.000 Bauarbeiter profitieren von den höheren Mindestlöhnen”, sagte IG BAU-Bundesvorsitzender Robert Feiger. Die Arbeitsplatzsicherheit hat für die Gewerkschaft IG Metall, die die deutschen Metaller vertritt, in der aktuellen Tarifrunde Priorität. Auf nationaler Ebene setzt sich die IG BAU gegen das geplante Renteneintrittsalter von 67 Jahren (statt 65) ein. Die IG BAU ist auch auf europäischer Ebene sehr aktiv und drängt auf eine allgemeine Reform der allgemeinen Verträge der Europäischen Union mit dem Ziel, die Rechte der Arbeitnehmer auf europäischer Ebene zu garantieren.

Die IG BAU war eine der aktivsten Gewerkschaften, die gegen die sogenannte Bolkestein-Richtlinie kämpfte. Die IG BAU hat sich auch aktiv gegen das GATS-Abkommen der WTO zur Bekämpfung von Dienstleistungen, insbesondere für die grenzüberschreitende Erbringung von Dienstleistungen im Rahmen des “Modus 4” des GATS (in dem Arbeitnehmer von Unternehmen mit den Arbeitsbedingungen ihres Herkunftslandes in ein anderes Land entsandt werden) bekämpft. Alle Gewerkschaften, die das Gesetz ablehnen, fürchten, dass es ihre rechtliche Fähigkeit zum Abschluss von Tarifverträgen einschränken wird. Es gibt auch eine breite juristische Debatte darüber, ob die neue Gesetzgebung das Streikrecht behindert: Laut Gesetz sind Streiks nur zur Erreichung von Tarifverträgen erlaubt.